Edition Wæchterpappel: Lebenszeit

Lebenszeit
Gerhard Weber Fotografie 1991–2011
Mit einem Essay von Jörg Jacob


Kurt Uwe Andrich, Vorwort
Denkmalschmiede Höfgen,
Edition Wæchterpappel 2011
128 Seiten, Pappband deutsch/englisch
ca. 100 Abbildungen, Duplex ISBN: 978-3-933629-32-8
19,80 Euro

Ein halbes Jahrhundert lang hat Gerhard Weber sprichwörtlich Bilder aus dem Leben gegriffen und mit jeder Ausstellung, jedem Bildband gibt er sie wieder zurück. Dass seine Fotografien den Weg zum Betrachter und den Dialog mit ihm suchen und finden, macht ihre besondere Qualität aus. Der leidenschaftliche Blick durch das Objektiv ist von Anbeginn auf Menschen einer Landschaft gerichtet. Es ist die Landschaft zwischen Leipziger Tieflandsbucht und Vorerzgebirge mit ihren Bewohnern, die der Fotograf vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Zeit porträtiert. Es ist seine Landschaft und es sind die ihm aufs Engste vertrauten Menschen. Mit dem hohen Grad an Identifikation und persönlicher Nähe zum Gesehenen gelingt es Gerhard Weber, neben dem Wandel der Kulturlandschaft und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vor allem die gelebte Zeit im Bild festzuhalten. Wie sein gesamtes fotografisches Schaffen vermittelt der vorliegende Bildband als Begleitpublikation zu einer großen Freilichtausstellung Raum und Anreiz für die Erinnerung und das Weitertragen der eigenen Geschichte. Damit knüpft Gerhard Weber an seine eindrucksvollen Werkschauen im Freien an, wie im Dorf Erlln 1985, in der Stadt Colditz 1990/95 und in Kaditzsch 1997. Mit dem Bildzyklus »Lebenszeit« hat Gerhard Weber seinem Œvre ein wichtiges Kapitel über die vergangenen zwanzig Jahre hinzugefügt. Es markiert zugleich einen neuen Abschnitt auf seinem konsequenten künstlerischen Weg. Jörg Jacob bezieht sich in seinem Essay zu diesem Zyklus nur sparsam auf das zu Betrachtende und bringt seinerseits eine originäre Sicht auf die Geschichte und das Leben in der ländlichen und kleinstädtischen Welt des mittel- und westsächsischen Raumes mit ihren gegensätzlichen Polen.


Pressestimmen

Tagesausflug auf der Spur der Bilder
Gerhard Weber zeigt ab 18. Juni in spektakulärer Open-air-Schau 300 großformatige Fotos

Grimma. Eine spektakuläre Freiluftausstellung könnte Grimmas touristische Sommerattraktion werden. Vom 18. Juni an hängen an fünf verschiedenen Stellen 300 großformatige Fotos des Grimmaer Fotografen Gerhard Weber. Sie berichten über das Leben auf dem Land von 1991 bis heute. Lebenszeiten heißt die Schau. Ein kleiner Junge hält stolz und lachend einen Hahn auf den Armen. Ein alter Mann mit dicker Zigarre im Mund stapft über sein Feld und wirft aus einem Blechgefäß mit bloßen Händen Kalk aus. Ein Ehepaar bindet hinter dem Haus Reisigbesen. "Auf dem Land gehen die Uhren langsamer", sagt Weber. Vielen seiner Bilder sieht man tatsächlich nicht an, dass sie zehn Jahre nach der politischen Wende im Osten entstanden sind.(...) Zeitgleich mit der Ausstellung erscheint am Sonnabend Webers neuer Fotoband mit dem Titel "Lebenszeit" mit einem Text von Jörg Jacob. (André Neumann, Leipziger Volkszeitung, Juni 2011)



Im richtigen Moment. Vom Geheimnis des Fotografen Gerhard Weber

Auf die Frage nach dem Geheimnis seiner Arbeitsweise, was die Faszination seiner Bilder hervorrufen, sucht er nach Worten. Dann spricht er vom "Warten auf den richtigen Moment" und der "Liebe auf den ersten Blick" zu seinen Motiven. Doch sein wirkliches Geheimnis ist ein offensichtliches: So intim der Kamerablick auch sein mag: nie denunziert er die Menschen, die er zeigt. Vielleicht ist Gerhard Weber nur zu bescheiden, um das zu sagen. Er sieht sich selber eher als konservativen Fotografen, der "Wirklichkeiten" abbilden möchte, immer auf der Hut vor "Bildlügen", und der gelernt hat, sich dafür Zeit zu nehmen. Das Warten auf den richtigen Moment und das richtige Motiv, dazu gehören Geduld, Erfahrung und der Wille, eine künstlerische Idee umzusetzen. Und der Fotograf Gerhard Weber glaubt auch im Zeitalter von Gentechnologie und Identitätsverlust mit der Zähigkeit eines Idealisten an den authentischen Kern des Menschen. Den aufzuspüren hinter Kleiderordnung, Maske und Inszenierung hat er sich zur Aufgabe gemacht. Das macht ihn sympathisch, und es verleiht seinen Bildern eine kraftvolle Aura, die aus dem Wechselspiel von Nähe und Distanz belebt wird. (Jörg Jacob, Leipziger Volkszeitung, 2010)


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